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WISSEN SCHAFFEN! ENT-FALTUNG STATT AUS-BILDUNG

Macht Lernen im jetzigen Schulsystem dumm?

Moderator: Silvia Donninger

WISSEN SCHAFFEN! ENT-FALTUNG STATT AUS-BILDUNG

Beitragvon Silvia Donninger am 21. September 2014, 11:03

Andreas Popp und Prof. Tilmann Wick im Gespräch mit Michael Friedrich Vogt. „Die Erkenntnissuche war gestern. Heute geht es an deutschen Universitäten eher um den Kompetenzerwerb. Die Hochschulen drohen zu Berufsschulen zu werden und bringen das duale System zum Kollaps. Durch die Abschaffung des klassischen einphasigen Studiums, das in Deutschland mit einem Diplom, Magister oder einem Staatsexamen endete, sowie durch ein zweiphasiges Bachelor-Master-System nach angloamerikanischem Vorbild wurde der Bildungsauftrag der Universität und damit das kontinentaleuropäische Konzept zerstört. Dieses bestand darin, der nachwachsenden akademischen Generation eine wissenschaftliche Aufklärungs- und Erkenntniserfahrung zu ermöglichen, damit Wissen an die Stelle von Glauben und Wahrheit an die Stelle von Meinung, Offenbarung und Indoktrination trete.“ (Die Welt) Erkenntnisse bezüglich des Niedergangs des deutschen Bildungssystems durch die sogenannte Bologna Reform, die inzwischen sogar im Mainstream angekommen sind.

Statt mit der Einführung des Bachelor-Master-Systems wie propagiert, mehr Freiheit, mehr Kommunikation und mehr Internationalität zu erreichen, trat das Gegenteil ein: Universitäre Ausbildung ist heute von Uniformität, Mainstreamdenken, PC-Diktatur und dem Aus der Bildung durch die Aus-Bildung zum funktionieren Rädchen im Getriebe der Wirtschaft und des Geldsystems gekennzeichnet.

Ergebnisoffene Wissenschaft stört, könnten doch (wie beim CO2-Märchen) die „falschen“ (= politisch unerwünschten) Ergebnisse herauskommen. Das Erkennen von Zusammenhängen, Kreativität, freies Denken und Forschen sind bezahlter Auftragsforschung gewichen, bei der schon beim Forschungsantrag das spätere „Forschungs“ergebnis feststeht. Ein Spezialistentum, bei dem man immer mehr von immer weniger weiß und irgendwann dann alles von nichts, ist einem Bildungsideal gewichen, das einst Allgemeinbildung anstrebte und Deutschland bei den Nobelpreisen über Jahrzehnte den uneingeschränkten Platz eins einbrachte.

„98% aller Kinder kommen hochbegabt zur Welt. Nach der Schule sind es nur noch 2%. Unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem wird durch krisenhafte Entwicklungen zunehmend in Frage gestellt und eine Antwort ist nicht in Sicht. Die politischen und wirtschaftlich Mächtigen wurden zum Großteil an den besten Schulen und Universitäten ausgebildet. Ihre Ratlosigkeit ist deutlich zu spüren und an die Stelle einer langfristigen Perspektive ist kurzatmiger Aktionismus getreten. Mit erschreckender Deutlichkeit wird nun sichtbar, dass uns die Grenzen unseres Denkens von Kindheit an zu eng gesteckt wurden. Egal, welche Schule wir besucht haben, bewegen wir uns in Denkmustern, die aus der Frühzeit der Industrialisierung stammen, als es darum ging, die Menschen zu gut funktionierenden Rädchen einer arbeitsteiligen Produktionsgesellschaft auszubilden. Die Lehrinhalte haben sich seither stark verändert und die Schule ist auch kein Ort des autoritären Drills mehr. Doch die Fixierung auf normierte Standards beherrscht den Unterricht mehr denn je.“ Der Film „alphabet“ bringt die Misere auf den Punkt.

„Was haben andere Menschen davon, dass es mich gibt“, fragt der Hochschullehrer Tilmann Wick und betont damit den humanistischen statt des kapitalistischen Ansatz eines Bildungssystems. In einem der kinderfeindlichsten Länder der Erde setzt sich in der BRD der aus der Nazizeit stammende, zunehmende Zugriff des Staates auf unsere Kinder bei der Studentengeneration fort. Was mit Zerstörung von Kinderseelen und kindlicher Identität durch Frühsexualisierung und der bewussten Entfremdung von Mutter und Vater begann, setzt sich im Hochschulsystem fort.

Während der politisch-ökonomische Komplex Milliarden zur Bankenrettung verbrennt, fehlen in Wissenschaft und Forschung und dem universitären Bildungssystem, also der Zukunft des Landes, die Mittel an allen Ecken und Enden. Nur für die logisch-ideologische Fortsetzung der Frühsexualisierung, dem Genderwahn, sind die Gelder plötzlich verfügbar.

Dabei sind die Zusammenhänge des Lernens, der Entfaltung menschlicher Kreativität aus pädagogischer wie neurobiologischer Sicht bekannt und klar, wie der Neurobiologe Gerald Hüther schreibt: „Stellen Sie sich vor, es gäbe ein Zaubermittel, das ihr Kind stillsitzen und aufmerksam zuhören lässt, das gleichzeitig seine Fantasie beflügelt und seinen Sprachschatz erweitert, das es darüber hinaus auch noch befähigt, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und deren Gefühle zu teilen, das gleichzeitig auch noch sein Vertrauen stärkt und es mit Mut und Zuversicht in die Zukunft schauen lässt. Dieses Superdoping für Kindergehirne gibt es. Es kostet nichts, im Gegenteil, wer es seinen Kindern schenkt, bekommt dafür sogar noch etwas zurück: Nähe, Vertrauen und ein Strahlen in den Augen des Kindes. Dieses unbezahlbare Zaubermittel sind die Märchen, die wir unseren Kindern erzählen oder vorlesen. Märchenstunden sind die höchste Form des Unterrichtens. Das Lernen funktioniert bei Kindern (wie bei Erwachsenen) immer dann am besten, wenn es ein bisschen „unter die Haut geht“, wenn also die emotionalen Zentren im Gehirn aktiviert werden und all jene Botenstoffe vermehrt gebildet und freigesetzt werden, die das Knüpfen neuer Verbindungen zwischen den Nervenzellen fördern.“

Ich beschäftige mich nicht mit dem, was getan worden ist. Mich interessiert, was getan werden muss.
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Silvia Donninger
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